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katholischen Akademien müssen ihre gesellschaftliche Relevanz zeigen, wo ein gemeinwohlorientiertes und demokratisches Grundverständnis unseres Zusammenlebens unter hohen Druck gerät. Jetzt bedarf es der öffentlichen Räume, an denen über eine gestärkte Demokratie nachgedacht wird – und Praxisformen für diese eingeübt werden. Dies ist kein fremdes Thema für kirchliche Akademien, im Gegenteil: Demokratie muss heute ein „Ort der (öffentlichen) Theologie“ sein, den konkreten (Frei)Raum dafür können katholische Akademien bieten. Denn die Botschaft der Evangelien ist auch eine Forderung der Prinzipien, die Demokratien ihren „Teilnehmer:innen“ ja versprechen: Subjekthaftigkeit, absolute Würde, Freiheit, Solidarität, Gerechtigkeit und Gleichheit – das sind die grundlegenden und zugleich verbindenden Kategorien eines demokratisch-humanen Universalismus wie auch des jesuanischen Menschen- und Gemeinschaftsbildes. Die theologische Reflexion dieser Verbindung lässt aber auch erkennen, was der Demokratie (vielleicht schon lange) fehlt und Mitgrund ihrer heutigen Krise ist: eine Vernunft der Verletzlichkeit, der "Mitleidenschaft". In einer solchen Wahrnehmungs- und Denkweise ginge es darum, eine Demokratie zu ermöglichen, die die Einbeziehung der "leisen Stimmen" und der Stimmlosen in einer Gesellschaft zum Prüfstein ihrer Grundorientierung macht. Die Evangelien stellen durch ihren jesuanischen Maßstab der Verletzlichkeit und Anerkennungsbedüftigkeit des - jedes - anderen eine zur Technokratie tendierende Demokratie wieder "vom Kopf auf die Füße" – oder vielleicht besser: können an ihr (mit)leidenschaftliches Herz erinnern. Es gilt, die kirchlichen Akademien als Räume zu begreifen und zu gestalten, in denen theologisches Denken und Streiten eine vulnerabilitätssensible Demokratie erschließt und anfanghaft erfahrbar macht.
Dr. Johannes Sabel Direktor Akademie Franz Hitze Haus |